Kennst du noch Seite 100? Für viele war der Videotext jahrzehntelang der schnellste Weg zu Nachrichten, Fußballergebnissen und dem Fernsehprogramm, lange bevor jeder ein Smartphone in der Tasche hatte. Jetzt zieht der erste große Privatsender-Konzern in Deutschland einen Schlussstrich: ProSiebenSat.1 stellt seine Teletext-Angebote Anfang 2027 ein. Was genau passiert, warum der Videotext an Bedeutung verliert und was du tun musst, wenn du bisher Untertitel über den Videotext eingeschaltet hast, liest du hier.
Was ProSiebenSat.1 angekündigt hat
Wer bei ProSieben oder Sat.1 auf die Videotext-Taste der Fernbedienung drückt, sieht derzeit einen Hinweis: Das Teletext-Angebot wird Anfang 2027 eingestellt. Einen genauen Tag nennt der Konzern bisher nicht. Bekannt wurde die Entscheidung am 28. Oktober 2026 durch einen Bericht des Branchendienstes DWDL.de.
Die Begründung ist schlicht: Es schaut kaum noch jemand rein. Ein Sprecher des Senders sagte gegenüber DWDL.de, das Interesse der Zuschauerinnen und Zuschauer an den Teletext-Angeboten gehe gegen null. Als Ersatz verweist ProSiebenSat.1 auf die eigene Streaming-Plattform Joyn, die schon länger die Rolle der schnellen Infoquelle übernommen habe, vor allem rund ums eigene Programm.
Der Abschied kommt nicht überraschend
Ganz plötzlich kommt das Aus nicht. Schon Anfang 2025 hatte ProSiebenSat.1 den Videotext stark zusammengestrichen:
- Nachrichten gibt es dort seitdem nicht mehr. Die frühere Nachrichtenseite verweist auf Joyn.
- Sport wurde ebenfalls gestrichen. Die Sportseiten leiten auf ran.de und die ran-App weiter.
- Übrig blieb im Wesentlichen das Fernsehprogramm, also genau das, wofür die meisten den Videotext laut Sender zuletzt ohnehin genutzt hatten.
Wie teltarif.de berichtet, wirbt die Startseite des Videotexts inzwischen vor allem für Joyn. Der Videotext war also schon länger eher ein Wegweiser ins Internet als ein eigenständiges Angebot.
Wichtig: Was wird aus den Untertiteln?
Für die meisten wird das Ende des Videotexts kaum spürbar sein. Für eine Gruppe ist es aber relevant: Menschen, die Untertitel nutzen, etwa weil sie schlecht hören oder Filme lieber mitlesen. Bei vielen Sendern lassen sich Untertitel klassisch über eine bestimmte Videotext-Seite einblenden. Diese Möglichkeit fällt bei ProSiebenSat.1 mit dem Teletext weg.
Die gute Nachricht: Die Untertitel selbst bleiben. Der Sender betont gegenüber DWDL.de, dass die Untertitelung nicht wegfällt, sondern sich nur der technische Zugangsweg ändert. Statt über den Videotext schaltest du die Untertitel künftig direkt in den Einstellungen deines Fernsehers oder Receivers ein. Technisch werden sie dann als eigene Untertitelspur mit dem digitalen TV-Signal übertragen.
So findest du die Untertitel-Einstellung
Je nach Hersteller heißt die Funktion etwas anders, das Prinzip ist aber fast überall gleich:
- Drücke während der laufenden Sendung auf die Taste „Subtitle“ oder „Untertitel“, falls deine Fernbedienung eine hat. Das ist der schnellste Weg.
- Gibt es keine eigene Taste, öffne das Optionsmenü (oft „Options“, „Tools“ oder ein Zahnrad-Symbol) und suche nach „Untertitel“.
- Alternativ findest du die Einstellung in den allgemeinen Systemeinstellungen, meist unter „Bedienungshilfen“, „Barrierefreiheit“ oder „Sprache“.
- Lege dort bei Bedarf auch die bevorzugte Untertitelsprache fest, damit dein Gerät die passende Spur automatisch wählt.
Wenn du Fernsehen über einen Receiver, eine Set-Top-Box oder eine App schaust, sitzt die Einstellung dort und nicht im Fernseher selbst. Probier es am besten schon jetzt aus, dann stehst du Anfang 2027 nicht ohne Untertitel da.
Videotext bei ARD, ZDF & Co.: Wie geht es dort weiter?
Das Ende bei ProSiebenSat.1 heißt nicht, dass der Videotext in Deutschland komplett verschwindet. Die öffentlich-rechtlichen Sender halten daran fest, wenn auch abgespeckt:
- ARD Text bietet laut Techbook weiterhin Nachrichten, Sport, Programm, Kultur, Wetter und Wirtschaft.
- ZDFtext gibt es ebenfalls weiter. Das ZDF hat allerdings Sportnachrichten und Börsenkurse schon vor einiger Zeit gestrichen.
- Dritte Programme wie rbb und BR haben ihren eigenen Videotext aufgegeben und zeigen stattdessen den überregionalen ARD Text.
- Welt (früher N24) und N24 Doku haben ihren Teletext laut teltarif.de schon Anfang 2023 abgeschaltet.
Der Trend ist also eindeutig: Der Videotext schrumpft seit Jahren, und ProSiebenSat.1 ist nun der erste große private Senderkonzern, der ihn komplett aufgibt.
Warum der Videotext ausgedient hat
Vorgestellt wurde der Videotext von ARD und ZDF auf der Funkausstellung 1977 in Berlin, damals mit rund 400 Seiten. Für viele war er die erste elektronische Textquelle für aktuelle Nachrichten, fast 20 Jahre bevor das Internet für die breite Masse alltäglich wurde. Heute hat er in fast allen Bereichen Konkurrenz, die schneller, bunter und bequemer ist:
- Nachrichten kommen per Push-Mitteilung aufs Smartphone, oft Minuten nach dem Ereignis.
- Sportergebnisse liefern Liveticker-Apps mit Torschützen, Aufstellungen und Statistiken.
- Das Fernsehprogramm zeigt heute jeder Smart-TV im elektronischen Programmführer (EPG) direkt auf dem Bildschirm an, inklusive Beschreibung und Erinnerungsfunktion.
- Zusatzangebote zur laufenden Sendung bringen viele Sender inzwischen über HbbTV, den „Red Button“, auf den Fernseher. Dahinter stecken Mediatheken, Programminfos und interaktive Inhalte.
Dazu kommt: Wer heute fernsieht, tut das immer öfter gar nicht mehr linear, sondern per Streaming. Und dort spielt der Videotext keine Rolle. Für die Sender ist er damit vor allem ein Kostenfaktor: Die Seiten müssen gepflegt und die Technik betrieben werden, während kaum noch jemand umblättert.
Was bedeutet das für dich?
Für die meisten ändert sich wenig. Wenn du ProSieben oder Sat.1 schaust, bekommst du das Programm weiter über den EPG deines Fernsehers, und Nachrichten oder Sport hat der Sender ohnehin schon 2025 ins Netz verlagert. Ein paar Punkte solltest du trotzdem im Blick behalten:
- Untertitel umstellen: Wenn du Untertitel bisher über den Videotext eingeschaltet hast, gewöhn dich jetzt an den Weg über das TV-Menü. Bei ARD und ZDF funktioniert der Videotext-Weg vorerst weiter, die Menü-Variante klappt aber in der Regel senderübergreifend.
- Ältere Geräte prüfen: Sehr alte Fernseher oder Receiver unterstützen digitale Untertitelspuren eventuell nur eingeschränkt. Teste das bei Gelegenheit, bevor der Videotext Anfang 2027 wegfällt. Grundlagen zum Empfang findest du übrigens in unserem älteren Ratgeber Digitalfernsehen empfangen – Was brauch ich dafür?
- Videotext-Fans sind weiterhin bei ARD Text und ZDFtext gut aufgehoben. Ob die Öffentlich-Rechtlichen auf Dauer daran festhalten, ist allerdings offen. Die Kürzungen der letzten Jahre zeigen, dass auch dort gespart wird.
Ein bisschen Wehmut darf trotzdem sein. Die klobige Schrift, die bunten Klötzchengrafiken und das gespannte Warten, bis endlich die richtige Unterseite durchgeblättert ist: Der Videotext war ein Stück Fernsehgeschichte. Mit dem Rückzug von ProSiebenSat.1 wird ziemlich deutlich, wohin die Reise geht. Wenn es die Öffentlich-Rechtlichen eines Tages ähnlich halten, ist nach rund 50 Jahren endgültig Schluss mit Seite 100.

