Vielleicht hast du sie in den letzten Wochen auch bekommen: eine E-Mail von Netflix, kurz darauf ein Hinweis in der App, und ganz prominent der Button „Neuen Preis akzeptieren“. Seit dem 18. Oktober gelten die höheren Preise auch für viele Bestandskunden. Gleichzeitig stellt der Musikdienst Tidal laufende Abos auf neue Preise um, und Anfang Oktober hat der Bundesgerichtshof eine Preiserhöhung von Amazon Prime gekippt. Höchste Zeit also für einen Überblick: Was wird teurer, warum fragen die Anbieter überhaupt nach deiner Zustimmung, und was passiert, wenn du nicht klickst?
Was gerade teurer wird
Netflix: zwei Euro mehr pro Abo
Netflix hat Anfang September die Preise in Deutschland erhöht, für Neukunden sofort. Laut GamePro ist es die erste Erhöhung seit April 2024. Die monatlichen Preise (Stand: September 2026):
- Standard mit Werbung: 6,99 Euro statt 4,99 Euro (+40 Prozent)
- Standard: 15,99 Euro statt 13,99 Euro
- Premium: 21,99 Euro statt 19,99 Euro
- Zusatzmitglied: 4,99 Euro (Werbe-Abo) bzw. 5,99 Euro (Standard und Premium), jeweils einen Euro mehr als bisher
Prozentual trifft es also ausgerechnet das günstigste Abo am stärksten. Wer Netflix mit Werbung nutzt, um zu sparen, zahlt jetzt 24 Euro mehr im Jahr.
Tidal: bis zu 30 Prozent mehr
Auch beim Musikstreaming dreht sich die Preisschraube. Tidal verlangt laut appletechnikblog für das Einzelabo jetzt 12,99 Euro statt 10,99 Euro und für das Familienabo 21,99 Euro statt 16,99 Euro im Monat. Das Studentenabo bleibt bei 5,49 Euro (Stand: 20. Oktober 2026). Neukunden zahlen die neuen Preise schon seit August, Bestandskunden werden gerade per E-Mail informiert. Damit liegt Tidal jetzt gleichauf mit Spotify Premium (12,99 bzw. 21,99 Euro) und etwas über Apple Music (11,99 bzw. 19,99 Euro). Hast du Tidal über Apple oder Google abgeschlossen, bekommst du die Hinweise über die jeweilige Plattform.
Warum Netflix dich um Erlaubnis fragt
Früher haben viele Streamingdienste ihre Preise einfach angepasst und das per Mail angekündigt. Wer nicht kündigte, zahlte mehr. Das funktioniert in Deutschland so nicht mehr, und dafür gibt es gute Gründe.
Schon im November 2023 hat das Kammergericht Berlin in Klagen des Verbraucherzentrale Bundesverbands entschieden, dass die Preisanpassungsklauseln von Netflix und Spotify unwirksam sind. Die beiden Anbieter dürfen ihre Preise laut vzbv nicht einseitig anpassen; die Urteile sind rechtskräftig. Deshalb holt Netflix heute deine ausdrückliche Zustimmung ein.
Am 1. Oktober 2026 hat dann der Bundesgerichtshof nachgelegt (Az. III ZR 205/25): Die Klausel, mit der Amazon 2022 den Prime-Preis von 69 auf 89,90 Euro im Jahr angehoben hatte, ist unwirksam. Der Grund laut Stiftung Warentest: Sie machte nicht klar, ob Kunden der Erhöhung widersprechen und zum alten Preis weitermachen konnten oder nur kündigen durften. Ein generelles Verbot von Preisklauseln hat der BGH aber nicht ausgesprochen.
Zustimmen, aufschieben oder ablehnen: deine Optionen bei Netflix
Netflix lässt dir im Kern drei Wege:
- Zustimmen: Du klickst auf „Neuen Preis akzeptieren“ und zahlst ab dem nächsten Abrechnungszeitraum mehr. Damit ist die Erhöhung rechtlich sauber, und du kannst sie später nicht zurückfordern.
- Aufschieben: Statt des hervorgehobenen Buttons wählst du „Optionen anzeigen“. Laut Techbook kannst du die Entscheidung dort vertagen und zahlst dann bis zu etwa zwei Monate weiter den alten Preis. Danach musst du dich trotzdem entscheiden.
- Nicht zustimmen: Reagierst du gar nicht, gibt Netflix nach Ablauf der Frist noch einmal rund einen Monat Zeit. Danach endet das Abo automatisch. Netflix schreibt dazu sinngemäß: Ohne Rückmeldung müsse man die Mitgliedschaft leider kündigen.
Das heißt im Klartext: Den alten Preis dauerhaft behalten, das geht nicht. Du entscheidest nur, ob du zum neuen Preis bleibst oder gehst. Das ist der Unterschied zum Amazon-Fall: Dort lief die Erhöhung ohne deine Zustimmung, bei Netflix eben nicht.
Ein Tipp vor dem Klick
Lies dir genau durch, was du bestätigst. Die Verbraucherzentralen weisen darauf hin, dass ein bloßer Klick nicht genügt, wenn nicht eindeutig ist, worin man einwilligt. Bei Netflix ist der neue Preis klar benannt. Trotzdem lohnt es sich, kurz innezuhalten, statt reflexhaft auf den farbigen Button zu tippen.
Geld zurück für frühere Erhöhungen?
Spannender als die aktuelle Erhöhung sind die alten. Netflix, Apple TV und WOW haben in den vergangenen Jahren mehrfach Preise für laufende Abos angehoben, ohne gesondert um Zustimmung zu bitten. Dagegen gehen jetzt Verbraucherschützer vor: Laut beck-aktuell hat der Wiener Verbraucherschutzverein VSV im September Verbandsklagen beim Kammergericht Berlin und beim Oberlandesgericht München eingereicht. Gefordert werden je nach Vertrag 200 bis 700 Euro Rückzahlung. Betroffene können sich der Klage kostenlos anschließen.
Bei Amazon Prime ist es schon konkreter. Der BGH hat zwar nur über die Klausel entschieden, über die Rückzahlung verhandelt das Oberlandesgericht Hamm in einer Sammelklage der Verbraucherzentrale NRW. Wer Prime zum alten Preis abgeschlossen und der Erhöhung nie zugestimmt hat, kann sich laut Stiftung Warentest kostenlos beim Bundesamt für Justiz in das Klageregister eintragen. Bei Jahreszahlern geht es um bis zu 83,60 Euro. Die Anmeldung hemmt außerdem die Verjährung. Anfang Oktober hatten sich bereits rund 145.000 Menschen eingetragen.
Und bei DAZN prüft das Oberlandesgericht Hamm auf Klage des vzbv die Preiserhöhungen von 2021 und 2022. Laut beck-aktuell hält das Gericht sie vorläufig für unzulässig; das Urteil soll am 18. November verkündet werden.
Was bedeutet das für dich?
Ein paar praktische Schritte, die sich jetzt lohnen:
- Abos durchsehen: Schau in deinen Kontoauszügen oder bei PayPal nach, welche Streamingdienste du gerade bezahlst. Gerade bei Musik- und Videodiensten sammeln sich schnell 40 bis 60 Euro im Monat.
- Bewusst entscheiden: Wenn Netflix oder Tidal dich um Zustimmung bitten, ist das ein guter Moment für die Frage: Nutze ich das genug? Du kannst auch zustimmen und später kündigen, wenn eine Serie durch ist. Viele Dienste lassen sich monatlich beenden und wieder aufnehmen.
- Rotieren statt sammeln: Statt drei Dienste parallel zu bezahlen, kannst du einen Monat Netflix, den nächsten einen anderen Dienst buchen. Das spart oft mehr als jede Preisstufe.
- Werbe-Abo neu rechnen: Der Abstand zwischen Netflix mit und ohne Werbung ist mit neun Euro gleich geblieben. Wer bisher wegen des niedrigen Preises auf das Werbe-Abo gesetzt hat, sollte nachrechnen, ob es sich mit 6,99 Euro noch lohnt.
- Alte Ansprüche prüfen: Hast du Amazon Prime einst zum alten Preis von 69 Euro im Jahr oder 7,99 Euro im Monat abgeschlossen und der Erhöhung nie zugestimmt? Dann lohnt ein Blick ins Klageregister. Bei Netflix, Apple TV, WOW oder DAZN lohnt es sich, die laufenden Verfahren im Auge zu behalten.
Das ist keine Rechtsberatung. Wenn du unsicher bist, ob du Ansprüche hast, helfen die Verbraucherzentralen weiter.
Fazit
Streaming wird im Herbst 2026 erneut teurer, und die Anbieter gehen dabei vorsichtiger vor als früher. Dass Netflix und Tidal ausdrücklich um Zustimmung fragen, ist eine direkte Folge der Gerichtsurteile der letzten Jahre. Für dich bedeutet das: Du kannst den alten Preis zwar nicht behalten, aber du bekommst einen klaren Entscheidungsmoment. Nutz ihn, um deine Abos auszumisten. Und bei früheren Erhöhungen, denen du nie zugestimmt hast, könnte sich in den kommenden Monaten noch Geld zurückholen lassen.

